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maxresdefault Wenn Zocken zu Arbeit wird

Kennt ihr das? Ihr habt euch ein neues Spiel geholt, wartet bis Nachts um 1 aufs Release und zockt dann Tage und Nächte durch, bis der Abspann über den Bildschirm läuft. Dann wird das Spiel zur Seite gelegt und man wartet auf den nächsten Titel, oder vielleicht liegt der auch schon parat.

Oft kann man gar nicht mehr richtig in die Welt eintauchen, sondern jagt von Quest zu Quest. Texte liest man sich nicht durch. Optionale Texte wie herumliegende Bücher, die die Welt besser erklären oder Audionachrichten, die eigene kleine Geschichten erzählen, schon 3x nicht. Man will einfach nur das Spiel durchspielen.

Ich vergleiche das gerne mit Fastfood. Rein, Essen, Raus. Ein typisches Problem unserer heutigen Gesellschaft. Alles muss schnell gehen, da man ja keine Zeit hat und immer unter Leistungsdruck steht. Offensichtlich überträgt sich das auch auf unsere Freizeitbeschäftigung. Die wenigen Stunden am Abend muss man bestmöglichst nutzen, also muss auch da alles schnell-schnell gehen. Bei uns Gamern ist dieser “Druck” besonders im Herbst groß, wenn die vielen Triple-A-Titel erscheinen. Aber irgendwie kann das doch nicht das Wahre sein oder?

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Ich kann mich noch haargenau daran erinnern, als ich mir damals, anno 1993, meine ersten eigenen Spiele gekauft habe. Die haben mich monatelang beschäftigt. Ich weiß noch alles. Bis ins Jahr 2000 konnte ich meinen Freunden bei jedem Spiel am Telefon helfen, wenn sie feststeckten und ich es irgendwann in den letzten Jahren mal gespielt habe. Und heutzutage? Ich weiß nicht mal mehr was ich vor 1-2 Monaten gezockt habe. Das kann es doch irgendwie nicht sein. Rein, Durchspielen, Raus.

Dieser Leistungsdruck findet sich natürlich auch in Multiplayerspielen. In competitiven Spielen sowieso. Jeder will der Beste sein. Teamplay zählt oft wenig, viele Spieler sind auf einem Egotrip und da geht es dann primär um Kills. Es gibt viel zu wenig gute Supporter, weil alle nur ihren Statistiken hinterherrennen. Dabei sind auch die eigenen Stats wichtiger als das Teamergebnis. Wenn mein Team verliert ist es okay, solange ich die beste Kill-Death-Ratio habe. Support-Rollen haben einfach keinen so hohen Stellenwert, weil ihre Aktionen oft nicht in den Statistiken auftauchen. Dabei entscheiden die Supportleute über Sieg und Niederlage. Ist ähnlich wie beim Fußball. Die defensiven Spieler bekommen kaum Aufmerksamkeit. Die Messis und Ronaldos regieren mit ihrer Kill-, err Torquote die Welt.

Bei Coop Multiplayer Spielen setzt sich dieses Phänomen fort. Die Leute rennen vor, statt auf ihre Mitspieler zu warten. Looten sich gegenseitig die Sachen weg. Drücken Questtexte weg, um als erstes beim Zielort zu sein. Ballern ihren maximalen Schaden in die Gegner, obwohl sie kein Tank sind. Und so weiter und so fort.

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Aber kann das der Sinn vom Zocken sein? Das Spiel abzuschließen oder die höchste Stufe zu erreichen? Mir ist das zu anstrengend. Ich verfalle auch oft in diese Muster und muss mir dann bewusst machen, dass das wenig mit entspannter Freizeitbeschäftigung zu tun hat. Das Ziel kann nicht sein, das Spiel abzuschließen. Der Weg muss das Ziel sein. Dazu können auch “unwichtige” Nebenaufgaben gehören, die einem keinen super hilfreichen Reward bescheren, aber dafür Spaß machen! Und wenn ich Supporter spiele und als Einziger in meinem Team überlebe, weil ich nicht wie ein Wahnsinniger vorgeprescht bin und anschließend meine Leute wiedererwecke, dann ist das auch befriedigender als der hundertste Kill.

Dieser Leistungsdruck steckt unterbewusst in uns drin, weil wir von der Gesellschaft so geformt wurden. Das Einzige was wir dagegen tun können, ist uns dieser Problematik bewusst zu werden und entsprechend darauf zu reagieren. Einfach mal das eigene Spielen analysieren und überlegen, ob man das für sich nicht auch entspannter gestalten kann. Zocken sollte nun wirklich keine Arbeit sein. Außer vielleicht als YouTuber 😉

Euer Bernd vom TGN Team

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Category: BBTV News
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